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30
Mai
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Aber es ging nicht um Preis und Herkunft, es ging um nichts dergleichen.
Road to Somewhere.
Am Wochenende werde ich verreisen, den runden Geburtstag einer einzigartigen Freundin feiern. Ich werde ihre Wärme genießen, und ihr Lachen. Auch ihre kleinen Bosheiten werde ich genießen, und ich werde zurück boshaft sein, ein kleines bisschen, oh ja. Ich werde, so denn mein straffer Essensplan für den Rest der Woche fruchtet, das haargenau richtig sitzende kirschrote Kleid mit dem Ausschnitt zum Reinfallen tragen, das lenkt ab, von all dem, wovon derzeit abzulenken ist. Ich werde ein bisschen zu laut lachen, und ich werde ein bisschen zu viel trinken, aber nur so viel, dass ich noch merke, was ich tue - und dann werde ich ihre gerüchteweise
Ich werde auch Freunde von ihr kennenlernen; Menschen, von denen ich schon so viel gehört habe, dass ich fast glaube, sie zu kennen, und die doch real ganz anders sein werden als in meiner Vorstellung; weil ich weiß, wie sie die Menschen sieht, die sie liebt - weichgezeichnet, in schwungvollen Linien und satten, lebendigen Farben. Wir werden Spaß haben und vielleicht am Rande ein wenig ernsthaft sein, wir werden trinken und essen und kichern und lästern und ich werde mich einfach nur wohlfühlen. Weil sie macht, dass es so ist. Immer. Am Wochenende werde ich noch weiterreisen; ich werde sein Grab besuchen, und seine Mutter, beide zum vorläufig letzten mal. Ich werde mir anhören, was sie zu erzählen hat darüber, wie sie ihn sieht, wie er war. Ich werde mehr als höflich schweigen und ihr Bild von ihm nicht antasten, obwohl es mir schwerfallen wird. Aber welche Eltern kennen schon ihr Kind, so ganz wirklich? Und welche Eltern, wenn nicht diese, benötigen ein heiles Bild ihres Kindes, zum dran Festhalten, um nicht vollständig den Glauben zu verlieren? Ich werde nach meinem Stein sehen und nicht darüber nachzudenken versuchen, was es heißt, dass das Grab inzwischen zum wievielten mal auch immer abgesackt ist. Alles in mir sträubt sich, dort hinzufahren und diese Wochenendreise auf diese Art enden zu lassen - und doch, die Alternative ist keine, ich muss. Weil ich sie mag. Weil sie mich mag - nicht, weil ich diejenige bin, die ihr Neues über ihren Sohn erzählen könnte, denn das würde sie gar nicht hören wollen, sondern weil sie weiß, dass ich diejenige bin, die ihm in seinen letzten Tagen und überhaupt wohl noch am nächsten war. Weil sie mich schon immer mochte, seit ich das erste Mal zusammen mit ihm an ihrem Küchentisch saß und mich vorstellte; aus Gründen, die ich nie so recht verstand, hatte sie sogar ein Foto von mir haben wollen. Ich werde Fotos anschauen, die ihn als Baby, als Kleinkind und als Heranwachsenden zeigen, ich werde mich wieder darüber wundern, dass er bereits ganz früh die mir vertrauten Gesichtsausdrücke parat hatte - das Zweifelnde, das Verschmitzte, das intensiv Forschende; dass sein Kopf damals schon diese eigentümliche Form hatte, die zu dem Namen führte, mit dem ich ihn häufig ansprach. Ich werde weinen wollen und es doch nicht tun, weil ich nicht vor ihr weinen will, weil ich sie nicht noch mit meinem Kummer belasten will; sie trägt schwer an ihrem eigenen. Irgendwann später wird es nicht mehr gehen, das mit dem Tränen unterdrücken, aber mit einem bisschen Glück werde ich dann schon das Gesicht in einem tröstend warmen Felidenrücken vergraben können. Und dann wird auch dieses Wochenende vorbei sein. Ausatmen, einatmen. Weitergehen, an die guten Dinge denken.
30
Mai
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Zukünftige Wegbeschreibung
"Dann fällst du aus der S-Bahn quasi direkt in meine Straße, suchst nach dem hässlichsten aller Altbauten und steigst in die dritte Etage zur Loggia mit Katzennetz hoch."
Ich bin mir sicher, dies ist die beste aller denkbaren Wegbeschreibungen.
Niemehrohne ![]()
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