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17
November
Nachts, im Dunkeln
Sich selbst beim Überschnappen zuschauen, mit der kritischen Distanz, die man in solchen Situationen gern zu sich selbst einnimmt und die es ermöglicht, den Vorgang sozusagen real-time zu analysieren, dafür zu sorgen, dass dieser Zug nicht völlig entgleist.
Irgendwann wird es dann schon wieder hell, mit ein bisschen Glück nach ein paar Stunden Schlaf. Mit weniger Glück erst nach ein paar Tagen ohne Schlaf. Es ist die dunkle Jahreszeit.
15
November
Zugbegegnungen, andere Art
Und nach einer Weile fruchtloser Diskussion setze ich diesen Gesichtsausdruck auf, linke Augenbraue hochgezogen, den Mund zu einem spöttischen Grinsen verzogen, diesem Grinsen, von dem ich aus jahrelanger Erfahrung weiß, es macht, dass das Gegenüber - jedes Gegenüber - einfach reinschlagen will - feste, sehr feste - so provoziere ich diesen Mann, der mitten in der Nacht seit beträchtlicher Zeit vor sich hin flucht, die Mitreisenden und mich auch stört mit seiner Vorstellung, und er lässt sich anstacheln, nennt mit dumme Pute, was mein Grinsen noch abfälliger macht, steht schon halb, sinkt dann aber in seinen Sitzplatz zurück.
Meine Sitznachbarn lehnen sich ebenfalls erleichtert zurück, sie hätten wohl zu meiner Verteidigung eingreifen müssen, und ich frage mich einmal mehr, was treibt mich, mich mit diesem mir völlig unbekannten, sichtlich asozialen Menschen auf diese Art anzulegen, Partei zu ergreifen für eine Zugbegleiterin, die seine unflätigen und unverdienten Beschimpfungen nicht hört, in einem Zug mitten in der Nacht, in dem ich nicht darauf vertrauen kann, dass tatsächlich einer der Mitreisenden mir beistehen wird, falls er sich doch weit genug provozieren lässt. Er ist auf dem Rückzug, ich lächle zufrieden erst ihn an und dann in mich herein, und dann schlafe ich, für ein paar Minuten. Als ich wieder aufwache, hat er das Abteil gewechselt. Ein bisschen bedauere ich das, und auch dabei frage ich mich, was mich dazu treibt. Der innere Gutmensch allein ist das ganz sicher nicht.
Der Widerstand des Holzes ist nicht immer der gleiche, je nach der Stelle, wo man den Nagel einschlägt: das Holz ist nicht isotrop. Ich bin es ebenfalls nicht; ich habe meine "schwachen Stellen". Die Landkarte dieser Stellen kenne nur ich, und nach ihr richte ich mich, wenn ich, mit Verhaltensweisen, die nach außen hin rätselhaft erscheinen mögen, dieses vermeide, jenes erstrebe; ich möchte diese Landkarte einer moralisch-psychischen Akupunktur präventiv an meine neuen Bekanntschaften verteilt sehen (die sie darüber hinaus auch benutzen könnten, um mich mehr leiden zu machen).
aus: Roland Barthes - Fragmente einer Sprache der Liebe
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