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... neuere Stories
17
Oktober
Nun war der kbB eine knappe Woche zurück daheim, und das Meiste, was getan wurde, war arbeiten. Nicht, dass ich es nicht schon vorher gewusst hätte, aber wenn es dann tatsächlich so kommt, wie man wusste, dass es kommen würde, ist das trotzdem doof.
Zur Feier der Hausarbeit und ihrer Korrekturleser eine Kuchenschlacht veranstaltet, mit einem gesunden und einem leckeren Kuchen. Auch ich kann mich nicht dagegen verwehren, dem leckeren den Vorzug zu geben. Dabei ist der gesunde gar nicht unlecker. Daran muss ich arbeiten. A propos arbeiten: Ich habe beschlossen, mich bei einem Fitnessstudio anzumelden - jetzt aber echt und ehrlich - nachdem die Sache mit den Laufschuhen nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat. Wer kann denn auch ahnen, dass es nicht ausreicht, gute Laufschuhe unterm Bett von den Mutzen mit Haaren vollwollen zu lassen?! Falls ich den weiteren Fehler begehen sollte, zu glauben, dass es ausreicht, sich in einem Fitnessstudio anzumelden (und nicht gar auch einmal dort zu erscheinen und sich körperlich zu ertüchtigen), sagen Sie mir bitte Bescheid, ja? Die Mutter weiß nicht mehr, wie sie all ihre Arbeit schaffen soll und gab zu, neulich im Büro in Tränen ausgebrochen zu sein (die kennt nämlich auch ihre Grenzen nicht so gut), dann den Vater angerufen und gebeten zu haben, ihr etwas Schönes zu sagen. Seine Antwort war "Die Putzfrau steht neben mir". Finde nur ich allein das ziemlich belustigend? Da auch sie ratschlagresistent ist (merken Sie was?), habe ich aufgehört, nach Lösungsvorschlägen für ihre nun bereits Jahre andauernde Überarbeitung zu suchen; die werden eh immer alle abgelehnt. Insofern nehme ich mir das Recht heraus, sie zu in etwa gleichen Teilen zu bedauern und zu belächeln. Hauptsache, sie erlebt das ferne Traumland "Rente" noch, in das sie alle ihre Hoffnungen setzt. Wilbur weiß seit zwei Wochen, dass ihm Vanillepuddingpulver nicht schmeckt. Seit gestern weiß er auch, dass ihm Sahnepuddingpulver nicht schmeckt. Ob wir das Ganze auch noch mit dem Schokopuddingpulver durchspielen möchten oder er gegebenenfalls doch auf einen weiteren Test verzichtet? Morgen startet das neue Semester. Ich freu mich drauf. Worauf ich mich auch freue ist, jemandem ein T-Shirt mit der Aufschrift "Trottøl!" zu verabreichen, von dem ich weiß, dass er es wird tragen müssen. Qua Versprechen und Schuld. Das sind Aussichten!
12
Oktober
Mein Unterbewusstsein hat, total lässig und vollkommen vom Rest des Bewusstseins abgeschottet, scheinbar kurz vor Schluss einen Kurs, den ich belegen müsste aber nicht will, gegen einen ausgetauscht, den ich nicht belegen muss, den ich aber so gern belegen würde. Festgestellt habe ich das Ganze einen Tag, nachdem die Änderungen festgeklopft waren. Jetzt dann also Lustprinzip.
Aus der ganz alten Heimat lässt man mir via Mutter ausrichten, ich möge mich doch um eine bestimmte Stelle bewerben, die im nächsten Jahr frei wird. Noch vor fünf Jahren habe ich mich nach genau dieser Stelle quasi verzehrt und hätte einiges dafür in Kauf genommen, sie zu bekommen. Und jetzt denke ich "Münsterland?! Brauch ich das wirklich?" Und für dreieinhalb Gründe dafür gibt es zehn dagegen. Um die Mutter, die wenigstens eines ihrer Kinder zurück im Bundesland haben will, nicht ganz zu enttäuschen, schlage ich vor, diese Frage zusammen mit der obligatorischen nach Weihnachten zuerst einmal mit dem kbB zu besprechen. Auch bei der Berliner Arbeit streicht man mir Honig ums Maul. Vielleicht sollte ich mal nach einer Gehaltserhöhung fragen, dann hört das bestimmt wieder auf. In der alltäglichen Freakshow heute wieder ein Erlebnis der Spitzenklasse: Die Chefin knickt im Treppenhaus um, fällt hart und hat vermutlich den Knöchel gebrochen. Während sie an ihrem Arbeitsplatz sitzt und darauf wartet, dass jemand sie ins Krankenhaus bringt, fragt eine Kollegin ohne weitere Umschweife oder gar Erkundigung nach dem Befinden, wer denn jetzt für uns zuständig ist, die Unterschriften "macht" und uns leitet. Da fällt mir gleich wieder der Kollege ein, den ich neulich befragte, ob er schonmal das Monsterkabinett gesehen habe. Die Antwort, so passend wie vermutlich nicht originell: "Ja, jeden Tag zwischen acht und vier hier". Vielleicht kann ja einer der werten Leser - Berliner oder berlinerfahren - mir verraten, ob es lohnt, sich dorthin zu begeben. Angesichts eines nicht ganz geringen Eintritts und der Tatsache, dass das Etablissement damit wirbt, sich in einem "heruntergekommenen Hinterhof" zu befinden, liegt es nahe, hier Touristennepp zu vermuten. Finde ich. Eines Besseren lasse ich mich gern belehren. Gestern habe ich einen Geburtstag zum ersten Mal seit über 20 Jahren nicht kommentiert - keine Mail, kein Anruf mehr an den letzten noch im Kalender vorhandenen Vertreter des alten Lebens - der Mann, der, ähnlich unstet wie ich, als einziger aus der großen Runde nicht mit Mitte 20 Familie gegründet und Haus und Garten gebaut hatte, den es auch in eine große Stadt zog und nicht in die kleine Beschaulichkeit. (Ich habe nicht geschrieben und auch nicht angerufen, aber ich habe an dich gedacht. Das werde ich immer tun. Aber für die unverbindlichen Hin und Hers der letzten Jahre waren wir zu eng, damals, habe ich zu wenig Zeit, jetzt. Und du auch). Überhaupt, die Vergangenheit. Als ich neulich gründlich aufräumte, musste ich auch einen feinen Staubfilm, der sich, der dämpfenden Wirkung von Neuschnee gleich, auf ein Foto gelegt hatte, entfernen. Keine gute Idee. Ich putz jetzt erstmal nicht mehr. Ist sicherer. Im Bus sitzt eine Frau, die mich vage an die alte Version einer früheren Schulfeindin erinnert, neben mir, schaut auf den Aufnäher an meinem Arm (an ihrem Aufnäher sollt ihr sie erkennen!), und fragt mich, was das zu bedeuten habe, ob ich Mitglied in einer Organisation sei, der Heilsarmee womöglich. Ich denke kurz darüber nach, ob ich mir schnell eine Geschichte ausdenken sollte, in der eine möglichst teuflische Organisation, die Unfug mit toten Hasen treibt, eine Hauptrolle spielt, bis mir einfällt, es ist doch nur eine Typenähnlichkeit, und nicht die alte Feindin. Wofür also die Mühe. Der Aufnäher sitzt übrigens, und diese Information ist einzig für den werten Cabman, raten Sie mal wo? Genau. Auf der Jacke. Der einzig wahren, im Hochsommer erstanden, wenn niemand Normales auf die Idee kommt, Winterjacken zu kaufen. Darauf jetzt einen Glühwein!
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