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... neuere Stories
14
September
Schwanzvergleich
![]() Der Kleinste hat den längsten. (Auch den längsten Bandwurm, nebenbei. Ein kleines Mitbringsel aus Spanien. Wie nett.)
13
September
The War against Narbenbildung.
Meinem Wunsch nach Tätowierung wird selbstredend nicht entsprochen.
Die Physiotherapeutin lehrt mich aber, den Schmerz zu akzeptieren. Trotz seines Vorhandenseins tief einzuatmen, ihn mit meinem Atem einzurollen und im Ausatmen nach draußen zu befördern - dorthin, wo er in der Luft verpuffen kann und in mir nichts übrig lässt als seinen dumpf nachhallenden Verwandten, den kleinen Schmerz. Bis ich lerne, diesen mir reichlich esoterisch klingenden Rat anzunehmen, vergehen allerdings einige vergebliche Versuche, ihm auf herrkömmlich-monologische Art beizukommen: Zähne zusammenbeißen und Trotz. Blut, Schweiß und Tränen, diesmal sogar wörtlich zu nehmen. Ich lasse einmal mehr die in mir schlummernde Drama Queen heraus, als ich am Tag nach der Operation erstmals auf die Beine gestellt werde und eine Runde durchs Zimmer laufen muss. Der Weg ins Badezimmer zum Zähneputzen, in meinen Augen an diesem Tag auch so ein zivilisatorischer Unsinn, ist gespickt von Übelkeitsanfällen, Selbstmitleid, Wut gegen den eigenen, schwachen Köper und einer Welle von Schmerzen, die mich denken lassen, wenn das Schmerzen unter Schmerzmitteln sind, möchte ich sie ums Verrecken nicht ohne sie erleben. Zur Strafe muss dann bald die Krankenschwester auch mal wieder die Bettwäsche wechseln. Ha! Man stellt mir Leibchen, wahlweise hinten oder vorn offen, in meinen Lieblingsfarben: lebensbejahendes hellrosa und -bleu sind ebenso vertreten wie weiß mit Mustern der nicht zuordenbaren Art. Bei einem bin ich mir fast sicher, es seien lauter kleine Berliner Bären mit Keule über der Schulter. Die Narkose, Sie verstehen? Intimsphäre, auch so ein Ding im Krankenhaus. Und die eigene Beschämung im Angesicht der völligen Unfähigkeit, einen Toilettengang allein zu bewerkstelligen. Ich bin hin- und hergerissen zwischen der Bewunderung der Krankenschwestern, dies professionell-rabiat hinter sich und vor Allem mich zu bringen, und dem dringenden Wunsch, das alles nicht bewusst erleben zu müssen. Leider hält die benebelnde Wirkung der Narkose nicht ewig an. Eigentlich wirkt sie sogar viel zu kurz. Daher heule ich mal schnell wieder ein bisschen. Der Tag, an dem andere meinen, das Schlimmste liege hinter mir, was mich mit einem großen Groll erfüllt, ist nicht der schlimmste, aber der zweitschlimmste in dieser Woche. Danach gibt es ein ständiges Auf und Ab. Schmerzen, keine Schmerzen, Schläuche rein, Schläuche raus. Laufen, nicht laufen, Duschen, bitte nicht! Trockenshampoo, wider Erwarten gar nicht so besonders eklig, und Babyfeuchttücher retten mich. Danke für den Tipp! Die allermeisten Krankenschwestern sind süß und mehr als hilfsbereit; meine Zimmernachbarin ist die einzige neben mir, die auch unter 60 ist, und wir zwei kommen gut miteinander aus. Wir leben intellektuell von Frauenzeitschriften und Fernsehen, was uns gemeinsam verblöden lässt; wir beschließen, diesen Zustand auf die Narkose zu schieben. Ob wir damit durchkommen, wird sich noch zeigen. Einem meiner Besucher jammere ich von all dem vor, was laut von mir unterschriebenem Aufklärungsbogen bei dieser Operation schiefgegangen sein kann. Er beruhigt mich mit dem Hinweis, da ich selbst narkosebedingt nicht aktiv beteiligt gewesen sei, habe ich ja überhaupt nichts falsch machen können und daher drohe keine Gefahr. Ich bedanke mich recht herzlich, muss ihm aber im Ergebnis zustimmen - es scheint alles gutgegangen zu sein. Am Ende bleiben mir zum selbst vorgezogenen Entlasstag zwei Narben, die täglich in anderen Farbkombinationen changieren, und die dringende Ansage des Chirurgen, mir über meine Zukunftsvorstellungen schnell mal genauer Gedanken zu machen. Entscheidende Erkenntnis, wenn man sich nicht bücken kann: Alles, aber auch wirklich alles, fällt nach unten! Kleine Impression im Kommentar
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