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04
Dezember
An das Pärchen, das mir gestern auf dem Weg zum Wovenhand-Konzert unauffällig folgte und mich dann auffällig überholte: Nein, ich bin nicht geistesgestört, nur weil ich für euch unsinniges Zeug vor mich hin brabbelte - ich machte lediglich meine norwegischen Phonetik-Hausaufgaben. Dafür, dass ich meine Zunge dafür in Rollen legen und Worte wie "be-da-be-da-be-da-be-da-brra-braaa-brrraaa" vor mich hin murmeln muss, kann ich nun wirklich nichts.
An den, derimmer unterwegs ist: Ich würde hier gern erneut eine dringende Konzert-Empfehlung aussprechen, aber leider spielen Wovenhand nicht in Hamburg. Schade - sie wären mein Tipp 2008 gewesen; bereits zum dritten Mal sah ich sie, und dies war der umwerfendste ihrer Auftritte. An die Nachbarsfamilie, deren männlichen Anteil ich bereits ohne meinen expliziten Wunsch in Unterwäsche kenne: Ja, ich habe es immer eilig. Das liegt daran, dass ich Arbeit und Uni statt Hartz 4 und Rente kombiniere, was ich mir zugegebenermaßen selbst ausgesucht habe. Es wäre nett, wenn ihr euch zukünftig einen anderen Spruch überlegen würdet, sonst könnte ich im Gegenzug auf die Idee kommen, über Arbeitslosigkeit und Alkoholismus zu schwadronieren, wenn ich euch treffe. Muss ja auch nicht sein, so eine Konfrontation im Hausflur. An den Nachbarn, der auf meiner Etage wohnt: Ich hab dich gesehen, wie du an die Gartenhecke gepinkelt hast, statt die drei Treppen zu deiner Wohnung hochzugehen. Und weil du dich umgedreht hast, bevor du ihn wieder eingepackt hattest, habe ich deinen Schwanz gesehen. Er ist jämmerlich, also hör auf, einen auf dicke Hose zu machen, wenn du mich im Treppenhaus triffst. An die Düsseldorfer Lieblingskollegin: Danke für deinen Anruf heute. Ich weiß es zu schätzen, dass du dich sorgst, wenn ich in diesen Tagen nicht bei der Arbeit erscheine. Und ich weiß, warum du Lieblingskollegin bist, einmal mehr. Ans Leben: Sei so gut, sei weiter gut zu mir. Ich gewöhne mich grad so schön dran.
02
Dezember
![]() Dies hier schrieb ich vor ungefähr einem Jahr - zu genau dem Zeitpunkt, an dem mich die Worte wiederfanden, an dem ich wieder etwas mehr konnte als wimmernd in den Armen einer Freundin zu hängen oder vor mich hin zu starren oder das Funktionieren einfach aufzugeben oder zumindest aufgeben zu wollen. Genau ein Jahr ist es heute her, dass du beschlosst, deinem Leben sei endgültig der letzte Sinn abhanden gekommen und es beendetest. Die Art, mir zu bedeuten, dass ich nichts an deiner Entscheidung ändern kann, fühlt sich auch mit diesem Jahr Abstand maximalzynisch an. Mit der Art deines Todes straftest du nicht nur dich selbst, sondern auch die wenigen Menschen, die wissen, wie du es getan hast, die aus der Kombination weniger Aussagen und Tatsachen darum wissen, warum dein Sarg geschlossen war, es sein musste. Ich erkannte - endlich - dass zuviel zu wissen schädlich ist; ich lernte den Schlaf und seine immer wiederkehrenden Träume mehr zu fürchten als jedes wache Bewusstsein. Ich lernte durch dich, wieder einmal, dass ich mehr zu ertragen in der Lage bin, als ich für möglich gehalten hatte; und auch, dass mein Verantwortungsgefühl den Freunden, den besten gegenüber jedenfalls, niemals aufhört. Ein Jahr ist vergangen; unendlich viel ist in ihm passiert; ich fand alte Freunde wieder und neue dazu; ich erhielt Beistand von manch unerwarteter Seite, ich lernte vieles - über mich selbst, über andere, über dich auch. Tatsachen, die ich so nicht hatte sehen können oder wollen, wurden mir glasklar vor Augen geführt, von Menschen, die es besser wussten, die es besser wissen mussten als ich; ich wurde gefordert, bis an die Grenzen des erträglich scheinenden und manchmal auch darüber hinaus geführt. Ich lernte, zuzulassen, Hilfe nicht nur anzunehmen sondern auch zu erbitten, ich lernte, schwach zu sein, endlich. Ich lernte aber auch, dass jeder Mensch am Ende allein ist - nicht nur dass es so ist, sondern auch, dass es nicht anders sein kann; dass man sich selbst die letzte Instanz, der letzte Rückzugspunkt sein muss. Wenn mir in diesen Tagen jemand den wohlmeinenden Rat gibt, ich solle es nun langsam gut sein lassen mit der Trauer, kann ich nur ratlos mit den Achseln zucken. Ich bin zu müde, um darüber zu diskutieren, was es heißt, die beste Freundin des Selbstmörders zu sein; gewusst zu haben, wie es um ihm steht, und trotzdem nicht nur die Situation falsch eingeschätzt zu haben, sondern auch noch durch das Nichtverhindern der Tat ansich den einen Menschen verloren zu haben, der einem am allernächsten stand. Manchmal hasse ich dich dafür, mir diese Bürde auferlegt zu haben, denn ich habe sie nicht verdient. Meistens aber vermisse ich dich, auf eine Art, die fast körperlich schmerzt. Ich lernte, ohne dich zu leben - etwas, von dem ich nicht glaubte, es zu können. Ich schwanke und stolpere noch; an guten Tagen weniger, an allen anderen mehr - aber ich bewege mich vorwärts, Schritt für Schritt, auf einem Weg, den ich selbst bestimme. Trotz des Guten, das mir widerfuhr, seit du tot bist - ich würde gern auf das Meiste davon verzichten, wenn es dich nur zurückbringen würde. Es ist pathetisch, aber wahr - ich werde nie wieder die sein, die ich vorher war; die Leerstelle, die du hinterließt, ist zu groß, um jemals wieder geschlossen zu werden.
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