letzte Kommentare / Ach, ach. All diese... monolog / .... und nach all... kopfherz / Oh, danke. Da freu... monolog / Öh, nö.... monolog / ... auch nach all... kopfherz / Sind Sie in Hamburg... arboretum / Super, ne? Ich hab... monolog / Ach, in der Luft... kid37 / Erledigt :) Da... monolog


02
November


The present is a place where you are so beautiful.
In beautiful days you and I will change,
and turn unafraid; we attune, to be beautiful.
The present is a place where love is unafraid.
[Devotionalienschrein]
 
 
01
November
Die Praxis ist riesig, drei Ärzte, fünf Krankenschwestern, drei Arzthelferinnen, Ernährungsberater. Zwei große Infusionszimmer mit jeweils ungefähr fünf verstellbaren Liegesitzen, fünf Stühlen und vier Liegen. Das Wartezimmer ist stets gut gefüllt, von Menschen verschiedensten Alters und verschiedenster Herkunft. Jung, alt, gepflegt, ungepflegt, diverse Nationalitäten - alle sitzen sie dort friedlich zusammen, und sie alle verbindet nur eines: der Hauch von Verzweiflung, der wie ein leichter, kaum erkennbarer Nebel über ihnen wabert.
Als ich das erste Mal in diesem Wartezimmer sitze, umgibt mich selbst zu viel Verzweiflung, um irgendetwas von dem, was dort vor sich geht, wahrzunehmen, ich kann kaum einen Schritt gehen, geschweige denn weiß ich, wie ich die Treppe daheim hochkommen soll, aber im Gegensatz zu all den anderen, die ich dort seit inzwischen einer ganzen Weile mehrfach wöchentlich wiedertreffe, bin ich auf dem Weg der Besserung; jedes Mal, wenn ich dort weggehe, weiß ich, ich kann einen weiteren Termin in meinem Kalender abstreichen, einen Tag weniger, den ich dort eine ganze Stunde meines Lebens an einem Schlauch verbringe. Ich weiß, diese Menschen sind weitaus schlimmer dran als ich; trotzdem halten sie, fast alle, den Kopf weit oben.
Die Frau, die, je nach Zustand, schnarchend an vier Infusionen und einem blubbernden Sauerstoffgerät liegt, immer unter besorgt stirnrunzelnder Beobachtung der Schwestern, oder der ganz alte, fast haarlose Mann, der immer seine BZ aus der immergleichen Plastiktüte zieht, um mit seiner Nachbarin das Tagesgeschehen zu besprechen. Die mehr als sorgfältig zurechtgemachte mittelalte Frau mit dem auffälligen hellblauen Lidschatten und der Perücke Modell 70er-Frisur. Die Frau, jünger als ich, die immer schlafend unter einer Decke liegt, bei deren erstem Anblick ich dachte, wie schön, da sieht noch jemand gar nicht so krank aus, und wie ich erschrak, als sie aufstand und sich der Decke entledigte - nichts als Haut und Knochen und ein gebeugter Gang, die klauenähnliche Hand am Infusionsständer fest verkrampft.
Der Mann, der immer von seiner Frau begleitet wird, die Frau, die immer alle in ein Gespräch verwickelt und die sich für alle interessiert.
Die Patienten, die von Zivildienstleistenden in Rollstühlen hereingebracht werden und die am Ende geduldig darauf warten, wieder abgeholt zu werden.
Wenn ich die Praxis betrete, von der Sprechstundenhilfe sofort mit meinem Namen begrüßt werde und mit dem einen oder anderen Patienten ein Kopfnicken oder eine kleine floskelhafte Frage austausche, dann mit meinem Buch das Ende meiner einen Infusion abwarte, mich über angestochene Nerven oder die neuen blauen Flecke ärgere, fühle ich mich seltsam fehl am Platz, wie ein Hypochonder, der sich besser still und leise dorthin zurückziehen sollte, wo er hingehört. Diese Welt ist nicht meine.
Und trotzdem, wenn ich sehe, wie liebevoll rabiat, freundlich und offen dort alle miteinander umgehen, seien es nun die Ärzte, die kein Problem damit haben, ihre Sprechstunde kurz zu unterbrechen, um ins Infusionszimmer hinein gute Nachrichten zu rufen oder die sich zu zeternden Opas in Rollstühlen herunterbeugen und ihnen erklären, der Doktor sei nicht schwerhörig, es gebe also keinen Grund, die Praxis zusammenzuschreien, dies aber mit einem breiten Grinsen tun; die Schwestern, die einen duzen, immer kleine Witze machen und die immer ein Gesprächsthema parat haben, mit dem sie ablenken können; oder auch eben die, die hier sind, weil sie an einer im Grunde aussichtslos und elend tödlich endenden Krankheit leiden und die eine Hoffnung hierher treibt, die ich nicht teilen könnte - wenn ich also das alles sehe, bin ich dankbar - für das, was ich habe, für das, was ich nicht habe, und für den kleinen Einblick in das Leben anderer, die das Schicksal weit schlimmer als mich selbst getroffen hat, und die trotzdem nicht aufgeben.
[Leben. All das.]
 
 
wechselnd anwesend seit 8143 Tagen
status
You're not logged in ... login
tour de force
find!
 
The good, the bad & the ugly
Blindschleicher coderwelsh/synchron./ il giardino Kopffüssler le bufflon Luzilla mad Pappnase signalements Teilzeitgigant das vert 37

Musique (Automatique):
Auf ein neues Coast is clear Popnutten Totally Fuzzy txt.