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15
Mai
Und sonst so?
Entwicklungen im Hause monolog.
Um es amtlich zu machen: Heute kaufte ich Laufschuhe. Teure Laufschuhe. Nach einem Lauftest mit Analyse meiner möglichen Fehlstellungen. Ich möchte folgendes festhalten: 1. Die Einlagen, die mir Ärzte seit vielen Jahren verschreiben und die ich niemals getragen habe, brauche ich nicht. Sagt die Fachkraft vom Laufladen. 2. Nächste Woche fange ich mit dem Laufen an. Und wehe, das wird nix. Dann verklag ich einfach den Schuhhersteller. So. Der Trend geht zu Erstmann und Drittmutz. Ersterer ist schon da, Letzteres kommt bald. Hoffentlich. Neulich, als man mir einen eigenen Pariboy für daheim avisierte, dachte ich noch über Benennungen und die womöglich dahinter stehenden Absichten nach. Zwischenstand: Zwei Männer verträgt dieser Haushalt einfach nicht. Den, der nichts als heiße Luft verströmt und mich ständig zur Kiefersperre zwingt, gebe ich wieder ab. Mit Freuden. Der Kater entdeckt neuerdings seinen Hang zu vegetarischer Nahrung und steckt seinen Kopf in alles, was nicht dauerhaft bewacht wird. Muss man sich auch erstmal dran gewöhnen, dass Müsli und Tomatenaufstrich plötzlich interessant sind. Insbesondere dann, wenn die letzte vorhandene Brotscheibe mit dem Aufstrich bestrichen ist und man nicht mit dem Kater gemeinsam am selben Brot kauen möchte. Seine Mutter schickte Fotos seines Grabes. Und wie ich mich nicht entscheiden kann, wie ich es finden soll, etwas, was ihn eindeutig ausmachte, auf seinem Grabstein zu sehen. Weil es so profan ist. Weil ich viel mehr mit ihm verbinde als ein Handy, ein Portemonnaie, ein Schlüsselbund in einer ganz bestimmten Anordnung. Und sonst so? Ach, ach. Aber: Hausaufgaben sind gemacht, das Wochenende ist frei. Und morgen geht sie tanzen. In roten Schuhen. Guten Abend.
07
Mai
Er stolpert laut vernehmlich in eine Grillparty, ohne etwas mitzubringen. Was nicht schlimm ist, denn wie üblich haben alle anderen viel zu viel mitgebracht.
Er redet mit breitestmöglichem Dialekt, und er redet laut. Mit seiner lauten Stimme reißt er jedes Gespräch an sich und wendet es in Richtung Musik, die er kennt (nicht so viel), und Myspace. Er verbringe jede freie Minute vor Myspace. Er erzählt, dass die "Streiterin" 1000 Myspace-Freunde habe, und das, wo sie doch erst so kurz dabei sei. Er selbst wolle es übersichtlich halten, seine 300 Freunde reichten ihm. Seine Freund- und Bekanntschaften scheint er fast ausschließlich von Myspace zu beziehen, über den Abend verteilt fallen Namen wie "Sternentänzerin", "Seelenfee" und ähnliche Kaliber. Neulich habe er eine rauschende Nacht mit einer Band verbracht, und die Fotos, die es bei Myspace zu sehen gebe, das seien nur die nicht zensierten. Es sei aber ganz wild gewesen. Er würde ja gern erzählen, aber, ach nein, lieber nicht. Am Ende jedenfalls habe ihn der Sänger der Band auf den Mund geküsst. Und all so Sachen. Er ist der weltgrößte Fan der Band, in der ein anderer der Gäste singt, und er wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass sein neuer Profilsong einer der Band sei; dass er bei jedem ihrer bisherigen Konzerte dabei gewesen sei; und wie toll er die Band doch finde. Er fotografiert bei einer Party, stellt ungefragt Fotos der ihm zum Teil völlig Fremden auf seine öffentliche Myspace-Seite und findet es "irgendwie strange", wenn diese Menschen ihn bitten, ihr Foto zu entfernen. Die "Streiterin", da ist er überzeugt, hört nur die "ganz harten Sachen"; in der Folge führt er Bands auf, die man allenfalls als Zweitaufbräu eines schlechten Zweitaufbräus einer pseudoharten Band bezeichnen kann. Ich bekomme einen Hustenanfall und kämpfe mit einem haltlosen Lachen. Der kbB versinkt tief und ratlos in der Hollywoodschaukel, in der wir gemeinsam sitzen, und das Gegenüber des Myspacemannes, der verehrte Sänger, grinst mich sehr breit an. Fast könnte der Myspacemann mir ein bisschen leid tun, denn er wurde vor ein paar Wochen von seiner Frau verlassen. Jedweden Ansatz davon macht er damit zunichte, dass er sich darüber beklagt, nun wieder selbst waschen und kochen zu müssen, was ihm die Freizeit leider sehr beschränke. Das Gute an der Trennung sei aber, jetzt könne er endlich mal Übernachtungsgäste, Sänger irgendwelcher Bands, zu sich nach Hause einladen. Er vermutet außerdem, es werde ihr sehr schwerfallen, wenn er wieder eine Freundin habe und sie noch allein sei. Später am Abend wird er sagen, er habe sich von ihr getrennt. Er isst reichtlich von allem, was ihm vor die Nase kommt. Dann beklagt er, aber noch kein Stück Fleisch gehabt zu haben. Man reicht es ihm und er schmatzt zufrieden. Dabei redet er weiter. Er redet überhaupt ununterbrochen, und ununterbrochen Unsinn, und er sitzt neben mir. Ein Entkommen, außer meinen regelmäßigen Ausflügen an den Grill, gibt es nicht. Ich ertrage Typen wie ihn nicht; ich hasse es, von den Banalitäten, die sie von sich geben, belästigt zu werden, ich will ihnen nicht zuhören und dabei freundlich bleiben müssen. Und dann schäme ich mich für mich selbst - darüber, dass ich den Myspacemann nicht einfach als das nehmen kann, was er ist. Zuallererst als einen Menschen, mit dem ich überwiegend nichts zu tun habe. Und dann als einen, der ein Recht darauf hat, anders zu sein als die Gesellschaft, die ich gern hätte. Und dann denke ich, ich muss mich doch schon die ganze Woche über mit Menschen abgeben, die ich nicht sehen oder hören möchte, warum denn bitte am Wochenende auch noch?! Und überhaupt. Vielleicht suche ich mir nächstes Mal erst einen Platz, wenn er schon sitzt. Weit weg. Und nehme gute Ohrenstöpsel mit.
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