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13
September
The War against Narbenbildung.
Meinem Wunsch nach Tätowierung wird selbstredend nicht entsprochen.
Die Physiotherapeutin lehrt mich aber, den Schmerz zu akzeptieren. Trotz seines Vorhandenseins tief einzuatmen, ihn mit meinem Atem einzurollen und im Ausatmen nach draußen zu befördern - dorthin, wo er in der Luft verpuffen kann und in mir nichts übrig lässt als seinen dumpf nachhallenden Verwandten, den kleinen Schmerz. Bis ich lerne, diesen mir reichlich esoterisch klingenden Rat anzunehmen, vergehen allerdings einige vergebliche Versuche, ihm auf herrkömmlich-monologische Art beizukommen: Zähne zusammenbeißen und Trotz. Blut, Schweiß und Tränen, diesmal sogar wörtlich zu nehmen. Ich lasse einmal mehr die in mir schlummernde Drama Queen heraus, als ich am Tag nach der Operation erstmals auf die Beine gestellt werde und eine Runde durchs Zimmer laufen muss. Der Weg ins Badezimmer zum Zähneputzen, in meinen Augen an diesem Tag auch so ein zivilisatorischer Unsinn, ist gespickt von Übelkeitsanfällen, Selbstmitleid, Wut gegen den eigenen, schwachen Köper und einer Welle von Schmerzen, die mich denken lassen, wenn das Schmerzen unter Schmerzmitteln sind, möchte ich sie ums Verrecken nicht ohne sie erleben. Zur Strafe muss dann bald die Krankenschwester auch mal wieder die Bettwäsche wechseln. Ha! Man stellt mir Leibchen, wahlweise hinten oder vorn offen, in meinen Lieblingsfarben: lebensbejahendes hellrosa und -bleu sind ebenso vertreten wie weiß mit Mustern der nicht zuordenbaren Art. Bei einem bin ich mir fast sicher, es seien lauter kleine Berliner Bären mit Keule über der Schulter. Die Narkose, Sie verstehen? Intimsphäre, auch so ein Ding im Krankenhaus. Und die eigene Beschämung im Angesicht der völligen Unfähigkeit, einen Toilettengang allein zu bewerkstelligen. Ich bin hin- und hergerissen zwischen der Bewunderung der Krankenschwestern, dies professionell-rabiat hinter sich und vor Allem mich zu bringen, und dem dringenden Wunsch, das alles nicht bewusst erleben zu müssen. Leider hält die benebelnde Wirkung der Narkose nicht ewig an. Eigentlich wirkt sie sogar viel zu kurz. Daher heule ich mal schnell wieder ein bisschen. Der Tag, an dem andere meinen, das Schlimmste liege hinter mir, was mich mit einem großen Groll erfüllt, ist nicht der schlimmste, aber der zweitschlimmste in dieser Woche. Danach gibt es ein ständiges Auf und Ab. Schmerzen, keine Schmerzen, Schläuche rein, Schläuche raus. Laufen, nicht laufen, Duschen, bitte nicht! Trockenshampoo, wider Erwarten gar nicht so besonders eklig, und Babyfeuchttücher retten mich. Danke für den Tipp! Die allermeisten Krankenschwestern sind süß und mehr als hilfsbereit; meine Zimmernachbarin ist die einzige neben mir, die auch unter 60 ist, und wir zwei kommen gut miteinander aus. Wir leben intellektuell von Frauenzeitschriften und Fernsehen, was uns gemeinsam verblöden lässt; wir beschließen, diesen Zustand auf die Narkose zu schieben. Ob wir damit durchkommen, wird sich noch zeigen. Einem meiner Besucher jammere ich von all dem vor, was laut von mir unterschriebenem Aufklärungsbogen bei dieser Operation schiefgegangen sein kann. Er beruhigt mich mit dem Hinweis, da ich selbst narkosebedingt nicht aktiv beteiligt gewesen sei, habe ich ja überhaupt nichts falsch machen können und daher drohe keine Gefahr. Ich bedanke mich recht herzlich, muss ihm aber im Ergebnis zustimmen - es scheint alles gutgegangen zu sein. Am Ende bleiben mir zum selbst vorgezogenen Entlasstag zwei Narben, die täglich in anderen Farbkombinationen changieren, und die dringende Ansage des Chirurgen, mir über meine Zukunftsvorstellungen schnell mal genauer Gedanken zu machen. Entscheidende Erkenntnis, wenn man sich nicht bücken kann: Alles, aber auch wirklich alles, fällt nach unten! Kleine Impression im Kommentar
![]() Im Garten lässt es sich aushalten. Wenn man es erstmal dorthin geschafft hat. ![]() Hochmoderne Telekommunikationsanlage, über die auch der Fernseher mittels eines geheimen Rituals bedient wird, das nicht einmal jeder Schwester bekannt ist. ![]() Haute Cuisine mit monologischem Gebein in ansprechendem Kompressionsstrumpf. ...sehr feiner Bericht, kommt mir alles so bekannt vor,
Das hoffe ich doch auch :) Mein Eingriff ist, denke ich, aber auch nicht mit deinem vergleichbar.
Danke, auch für den Beinahe-Besuch!
Ich schicke mal einen Kraftstrahl. Für und gegen alles! Wünsch Ihnen was!
Bedankt! Ich nehm ihn gegen das Babymutz, das mit Hingabe mitten in die frischen Narben springt, um zu Kuscheln. Der Rest wird sich fügen.
Und der Käse hat sogar Löcher, diese subtilen Krankenhauswitze wieder. Es heißt ja immer, wenn Blogger was nicht gut finden, seien sie bloß neidisch. Aber ich sag Ihnen was: Ich find das nicht gut, möchte aber wirklich nicht mit Ihnen tauschen. Gute Besserung weiterhin. Seien Sie brav!
Sie sind ja bloß neidisch, auf meine schönen neuen Narben und meinen Käse! ;)
Danke. Zum Bravsein bin ich verdammt, da ich mich quasi nicht bewegen kann. Sitzen geht, liegen geht so lala. Laufen ist schon schlecht, so gebückt wie Omma.
Ich würde ja pusten, aber ich glaube, die Methode der Physiotherapeutin wirkt besser (praktiziere ich so ähnlich selbst auch mitunter).
Gute Besserung! Pusten auf die Entfernung wäre in der Tat vermutlich irgendwo unterwegs auch verpufft.
Danke!
Heile, heile Gänschen. :o)
Seit ich bei dieser Firma arbeite, ist meine Arbeitsmotivation ja, wenn ich einmal in ein Krankenhaus käme, auf Gerät und Software blicken zu können, mit dem ich untersucht werde und zu wissen: Hey, das hast du selbst mitgestaltet! Ich will nicht sagen "endlich!", aber diesmal war es soweit, und ich war tatsächlich ein bisschen stolz. Um so mehr habe ich mich geschämt, als ich dieses aus einem Ingenieurshirn entbundene Fernbedienungstelefon auch in meinem Krankenzimmer entdeckte. (Und prompt auch nicht ohne Erklärung bedienen konnte. Als Informatiker!).
Ja, die Erniedrigung beim Verlust der Körperkontrolle, der Verlust der Privatsphäre (können die seit Stunden rumhängenden Freunde meines Teenie-Bettnachbarn bitte mal verschwinden, damit ich die Bettflasche anlegen kann?), das chaplineske der morgendlichen Visite (Oberarzt mit Schwarm von Stations- und Assistenzärzten sowie Schwestern wehen mit Aktenwagen herein, murmeln untereinander vor sich hin, deuten auf die Kurven, Schwester schreibt etwas auf, nuschelnuschel, gemeinsames Nicken, alle wieder ab, ohne auch nur ein Wort oder Blick an mich gerichtet zu haben) - man lernt, nur noch ein Rädchen in einer großen Krankenhausmaschine zu sein. Individuelle Würde ist dort eine dünne Angelegenheit. Ich war froh, wieder zuhause zu sein - obwohl ich Krankenhäuser an sich liebe. Ich wünsche Ihnen, dass Schmerz, Unwohl und Einschränkungen bald vorbei sind. Vielen Dank (und ebenso). Es wird täglich besser; man staunt ja doch, wie schnell der Schritt von "unerträglich" zu "ganz ok" gemacht ist.
Die Visite bei uns war ähnlich, wenn auch weniger personalbehaftet. Und da man es mit zwei renitenten Frauen zu tun hatte, war nix mit wortlos schnell wieder abziehen ;) |