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15
Oktober
Fragments.
Ich bin so beschäftigt, dass ich nichtmals bemerke, dass das Blog schon so lange unbetreut ist. Und als ich es bemerke, schaffe ich es nicht über ein Schulterzucken hinaus - es gibt Zeiten fürs Blog, und Zeiten, in denen alles, was man denken kann und will, unblogbar ist.
In einer solchen Haltung trete ich meine kleine Rundreise an - die letzte vor Beginn des Studiums und vermutlich auch für weite Teile der kommenden Zeiten, und falle nach einer elend langen Fahrt, an deren Ende ich mit dem beeindruckendsten Regenbogen ever - vollständig mit Spiegelung, in kräftigen, glänzenden Farben und nahezu zum Erblinden grell - belohnt werde, der A. in die Arme. Die A. ist Balsam für mich; vorher werde ich bereits besorgt gefragt, ob diese Menschendichte in dieser kurzen Zeit mich nicht überfordern wird, und ich antworte im Brustton der Überzeugung, nein, diese beiden ersten Besuchstage werden dafür sorgen, dass nichts und niemand mich aus den Schuhen hauen wird, selbst die letzte Station bei der anstrengenden Familie nicht. Jedenfalls reden und schweigen und essen und trinken wir zusammen, sie hört und spricht und weiß und nickt und schüttelt den Kopf, und alles ist ganz genau so, wie es sein soll, wie es sein muss, um so zu sein, wie es zwischen uns ist. Mit den beiden anderen verbindet mich eine schmerzliche Erinnerung; sie kenne ich im Grunde erst überhaupt näher, weil er tot ist - zu gut hat er es verstanden, seine Freunde voneinander fern zu halten, jegliche Kommunikation ohne und über ihn gleich von vornherein auszuschließen. Sie sind fiebrig und krank aus dem Urlaub zurückgekehrt und wollen trotzdem, dass ich komme; und während ich mit ihm dort auf dem Sofa hocke, über die Strukturen der Musik, ihre Absehbarkeit und unser Tongefühl schwadroniere, denke ich, ich weiß, warum er ihn so sehr mochte. Und während ich mit ihr beim Vertilgen eines ganzen Blechs fantastisch eingelegter Gambas darüber feixe, dass er so memmig ist, sich von der einen Chilischote, die er oder besser: die ihn erwischt hat, zu Tränen und Hustenanfällen rühren zu lassen, weiß ich genau, warum auch er sie geheiratet hätte. Ich täte es auch, sofort. Weil sie einen Hang zum Kitsch hat und dazu, die Dinge lauthals beim Namen zu nennen. Weil sie Probleme mit Autoritäten hat und keine Scheu besitzt, dazu zu stehen. Weil es ihr drecksegal ist, wenn eine Seite ihres Anzugs von den Flauschhaaren des Katers befreit ist, für die Befreiung der anderen aber keine Zeit mehr bleibt, bevor sie zu einem wichtigen Kundentermin losfährt. Weil sie ungerührt beim Bäcker, trotzdem sie vor nicht mehr als drei Minuten verkündet hat, wie schlecht ihr ist, fünf verschiedene Stücke Torte ordert, von denen sie dann nur eineinhalb essen kann. Weil sie lebendig ist, und süß, und manchmal unerträglich aufgekratzt. Klangstabil haben eine neue Platte gemacht, über Schach. Leider enttäuscht sie musikalisch in weiten Teilen; über Langeweile geht es nicht hinaus, und für eines der Lieder ist die Bezeichnung "schlechter Italo Pop" noch geschmeichelt. Das ändert nichts an der Gänsehaut, die mich befällt, als bei ihrem Auftritt als erstes Lied "You may start" erklingt. Als die Gänsehaut langsam aber sicher in Schweißausbrüche umdreht, fange ich an, den Ernst der Lage zu begreifen. Normal gepolte Menschen würden an dieser Stelle in Ohnmacht fallen und alles weitere den Sanitätern überlassen; die Monologische verbringt allerdings noch gesittet die Nacht bei einer Bekannten und zieht sich am nächsten Vormittag relativ geordnet ins heimatliche Krankenhaus zurück. Die Mutter wartet bereits mit einer Tasche voller möglicherweise benötigter Dinge wie Schokoladenkeksen, Apfelschorle und anderem am Bahnhof und nimmt alles weitere in die Hand. Am Ende ist es dann doch Mutti, die es richtet. Ganz wie damals, als die Monologische gleich nach dem Auszug bei den Eltern vor lauter Magen/Darm nicht wusste, was tun, und beschämt aber hilflos doch wieder da anrufen musste, von wo sie sich doch eigentlich gerade eben so richtig befreien wollte. "Die Tropfen auf einem Löffel Zucker einnehmen" ist übrigens die richtige Antwort, falls Sie sich das auch mal verzweifelt fragen sollten. Dass die schwangere Lieblingskollegin das vereinbarte Treffen kurzfristig absagt, ist unter den gegebenen Umständen die beste aller Lösungen; ohnehin ist es, wie sich später herausstellen wird, hervorragend gelungen, ein bis drei Menschen noch schnell im Vorbeilaufen ordentlich vor den Kopf zu stoßen; natürlich unbeabsichtigt, wer will schon die eigenen Freunde vergrätzen? Auch so ein Ziel: Lernen, wenn etwas nicht gut ist, nicht vorzugeben zu versuchen, alles sei gut. Klappt eh nicht. Über all dem der Drang, ganz woanders zu sein, die Reiserichtung stimmt nur am ersten Tag grob; der ständige Griff zum Telefon, die Insichkehrung der Gedanken und des Auges mehr als offensichtlich. Und das Herunterzählen bis zum Tag Null, an dem ich krank aber entschlossen mit einer verspäteten Bahn wieder in Berlin einfahre, und dort am Bahnsteig erwartet werde. Heimkommen erhält eine neue Bedeutung, jetzt und hier; mein Zustand hat einen Namen, den ich nur sehr selten und sehr verwundert überhaupt auszusprechen wage - aus Angst, dabei könnte er sich auflösen wie eine übergroße Seifenblase, und nichts bliebe übrig als Schaum, der zu Boden fällt. Die nahezu unnatürliche Sorglosigkeit, die mich dann befällt, ein Wunder. Dem ich mich nur zu gern aussetze. Hadern war gestern oder kommt morgen, oder übermorgen, oder nie. Wer weiß das schon, wen interessiert das schon? And all great things to come.
So viele Orte, Menschen, Erlebnisse, Gefühle in ein paar Worten zu verpacken ist eine Sache. Das alles zu erleben eine ganz andere. Erst Überholspur, jetzt Standstreifen. Und ganz doll die Wunder des Lebens genießen. :-)
Hihihi. Klein - nein, rundlich - äh, ja. Farblich muss ich mich dann wohl noch etwas anpassen. Obwohl meine Gemütsverfassung der Farbe doch ziemlich nahe kommt... :-)
Bei allem Schlingern, Schreddern, Scheitern und Langhinschlagen - an einem Ort erwartet zu werden, ist der Trost, das Wichtigste. Machen Sie mal was langsamer die Tage, ok?
OK. Geht eh nicht anders. Im Grunde bin ich zwar uneinsichtig, es gibt da aber jemanden, der ganz klare Grenzen setzt: Mein Körper, dieses kleine Luder ;)
"schlechter Italo Pop" ??
Das ist ja dann wohl meine Abteilung. |