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23
Februar
"Ihr macht mich fertig" - mehr wusste ich, üblicherweise der Wortgewalt bezichtigt, dann am Ende, als es ans Abschied nehmen ging, doch nicht mehr zu sagen.
Vor zwei Wochen war ich selbst maßgeblich beteiligt, die ewige allgemeine Schenkerei, wenn wieder mal einer geht, abzuschaffen - was offenbar als Aufforderung an Einzelpersonen gewertet wurde, sich auf einen monologichen Geschenkefeldzug zu begeben und mir der Reihe nach heute beim abschließenden Kaffeetrinken Dinge zum Auspacken hinzustellen.
Von wohlmeinenden, aber ungeheuer hässlichen Bastblumen in grellen Neonfarben über Bücher, die meine kleine Welt verändern sollen, Katzenaufnäher für den linken Jackenärmel (dessen Fehlen auf einem Ärmel von aufmerksamen Augen bemerkt worden war), bis hin zum wirklich tollen 3D-Aufsteller eines alten Pragbildes war so einiges dabei. Und was die anderen den ganzen Tag lang nicht geschafft hatten, trat dann doch noch ein: das monologisch-verlegene zur-Seite-weg-heulen.
Glücklicherweise wurde ich dann recht schnell noch als "gute Seele des Ladens" betitelt, was so dermaßen abstrus ist, dass ich doch wieder das gewohnt schiefe Grinsen aufsetzen und meine gewohnte ironisch-gelassene Weltsicht zurecht rücken konnte.
Und während der eine mir von der großen Energie, die in mir steckt, erzählte, sprach die nächste davon, ich solle dahin gehen, wo die Energie ist. Der, der immer am meisten half, wünschte einfach nur alles Gute, während die, die es zu sagen hat, mir nicht einmal die Hand schüttelte. Aber was soll´s, man muss nicht jeden lieben, mich schonmal gar nicht.

Mit dieser aufgefrischten Erkenntnis ganz vorn im Kopf sitze ich lächelnd in der U-Bahn, verliere selbstvergessen einen Teil meiner Blumen, die der freundliche Mann mir gegenüber aufheben will, dabei seinen eigenen Koffer umwirft, den ich wiederum zu halten versuche, wobei ich meine Mütze neben die auf dem Boden liegenden Blumen werfe. Er muss nun alles einsammeln, weil ich inzwischen vollkommen unkoordiniert bin, wir grinsen beide angesichts des Chaos um uns herum, und wünschen uns einen guten Tag. Ich steige aus, lande im Reisebüro bei der N. um meine Unterlagen abzuholen, erzähle die Geschichten des Tages und erhalte als Erwiderung, dass mich die Leute da ja offenbar auch noch gemocht hätten, wie ekelhaft. Wir müssen beide sehr lachen, und dann kommt auch schon ein weiterer Kunde, sodass ich meine Siebensachen zusammenpacke und mich auf den Heimweg mache.
Wieder einmal eine Lebensphase abgeschlossen, wieder einmal einen Schlüssel abgegeben. Mit Freude, und immerhin mit leiser Zuversicht. Leben, nun sag schon: Was kommt jetzt?
[Leben. All das.]

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Vielleicht schließt sich das Leben an den Geschenkefeldzug an und überreicht eine Wundertüte - wäre doch der passende Moment.
 
Das denke ich eigentlich auch. Und da ich von den unpassenden Gegebenheiten in der letzten Zeit mehr als genug hatte, könnte in der kommenden Wundertüte dann ja mal all das Gute sein.
 
Sowieso! Ausgleichende Gerechtigkeit o.ä. :-)
 
Genau. Her mit den guten Zeiten, die schlechten haben wir schon erledigt!
 
Hier ist übrigens noch eine Adresse, die sie am neuen Ort meiden sollten...
 
Verdammt, ja! Schnell nachsehen, die nicht auch nur zu kreuzen!
:)

edit: Gleich nebenan ist aber die Neue Welt. Die faszinierte mich ja schon in anderen Städten sehr. Das wird schwierig.
 
Ich verstehe - ich glaube, der Jammer kann Ihnen nur gefährlich werden, wenn Sie eine Gewerbefläche suchen. Gewohnt wird da eher nicht. (Die Neue Welt wartet allerdings auch noch auf Entdecker und Erforscher. Ich habe da eine Industriebrache in Erinnerung, kann mich aber täuschen.)
 
Brache ist gar nicht mal schlecht. Gerade wollte ich schreiben, die ist bestimmt nicht vorbelastet, dabei fiel mir ein, dass gerade Industriebrachen tententiell eher doch vorbelastet sind, wenn auch auf gänzlich andere Art als ich meinte.
 
yu - auf jeden fall begegnungen.
grosse augen, ohren und ein ein paket an neugier werden das schaukeln.
 
Große Ohren habe ich, oh ja. Früher wurde ich wegen ihnen gehänselt.
Begegnungen, ein gutes Sichwort.
 
ja ein stichwort, mal nachzufragen was denn die festplatte macht?
grosse ohren, brauchen grosse musik, wir könnten mal sehen(!) ob ich in den brennmodus gehen soll, dann....
 
Burn, Bitch, Burn! :)

Festplatte is in Mors. Sehen (!) wir dann doch mal, gern.
 
Aber was soll´s, man muss nicht jeden lieben, mich schonmal gar nicht.

Ich bezweifele, dass diese These - vor allem der letzte Teil - irgendwelchen neutralen Überlegungen stand hält.

Leben, nun sag schon: Was kommt jetzt?

You'll see. Wäre doch langweilig, wenn wir es vorher schon wüßten. Ausserdem liegt es ja auch an dir, darauf etwas Einfluss zu nehmen :-)
 
Manchmal habe ich nicht den Eindruck, dass das so ist, eher im Gegenteil.

Meine Überlegungen waren total voll superneutral; man kann es nicht jedem Recht machen, man kann nicht jedem gefallen. Wäre ich everybody´s darling, müsste ich mich fragen, ob ich wirklich so gefällig-kantenlos sein will, dass sich niemand an mir reiben kann. Die Antwort wäre "nein".
Und überhaupt: Ich selbst liebe mich ja auch nicht. Wenn schon ich nicht, wie dann andere? ;)
 
Man müßte sehr oberflächlich sein, wollte man alles gefallen. Das ist schon alles ganz richtig so. Hauptsache, die Bastblumen bleiben aus dem Haus.
 
Noch sind sie im Haus, warten aber auch schon auf einen schönen Platz im Mülleimer jemanden, der sie an meiner Stelle haben will :)
 
Volle Zustimmung: everybody's darling is everybody's clown.

Mich störte auch nur das "schonmal", dass implizit fast schon ausschließt, dass es überhaupt anders sein könnte :-)

Selbstliebe ist wichtig. Körperlich ist es Sex mit dem Menschen, den man am besten kennt. Seelisch ist es die Voraussetzung dafür, andere lieben zu können. Das ist richtig.
 
Ach was. Ich kann wunderbar andere lieben. Viel zu wunderbar, eigentlich, wenn ich so nachdenke. Mal was davon für mich selbst abzweigen.
 
Das klingt gut. Und Geschmacklosigkeiten sind ja auch eine schöne Art (unbewußt) mitzuteilen, dass genau _so_ das Leben ist.

(Deine Worte - vielen, vielen Dank!)
 
In der Tat, geschmacklos - genau so ist es. Meins ist aber nicht so bunt ;)

(Da nicht für. Ganz und gar nicht.)
 
Also, werte Frau Monolog, wenn Sie vielleicht vorher einen Piep gesagt hätten, dass Sie dort wohnen möchten, wo die Energie ist, dann hätte ich Ihnen auch gleich etwas anderes empfehlen können.
 
Oh ja, ich zieh ins Kraftwerk und schaue nur noch Die Simpsons!

Es meinte ja nur eine, ich bräuchte noch Energie - ich halte es da lieber mit der Gegenmeinung. Energie hab ich genügend, ich muss sie nur mal wieder irgendwohin richten.
 
Sie brauchen also einen Blitzableiter quasi.
 
Manchmal schon. Sie möchten nicht zufällig...? ;)
 
Ich bin ja eher der phlegmatische Tüp, aber da ich aus astrologischen Gründen eh geerdet bin, machen mir gelegentlich auftretende Blitzeinschläge wiederum nicht soo zu schaffen ;)
 
Das kommt meinem luftzeichenbedingten, veränderlichen Temperament entgegen. Sollte es also mal wieder soweit sein, rufe ich. Dem Phlegma wird´s wohl egal sein ;)
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