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06
Februar
![]() Ich fand diese Postkarte, die einzige noch vorrätige, im letzten Jahr in einem kleinen Laden in Warschau, und obschon ich durchaus der Meinung war, ihr Motiv würde sich auch in mein Leben gut einfügen, verschickte ich sie an jemanden, von dem ich annahm, er benötige sie dringlicher als ich: an ihn, dem ich in seiner letzten Woche noch den anrührenden John Vanderslice zitierte, denn man muss, das ist es doch am Ende immer, die Liebe zu überleben lernen. Diese Postkarte fand, ebenfalls am Ende, ihren Weg zurück zu mir. Nun lehnt sie an einem Karton neben einer Kerze und einem gerahmten Foto hinter einem Stein, und wann immer ich an ihr vorbeilaufe, was sehr häufig vorkommt, schaue ich darauf. Und dann denke ich darüber nach, wie die eigene Hand die fremde Hand zu führen scheint. Und darüber, dass die fremde Hand nach der falschen Stelle greift. Was sie damit bewirken mag; was man überhaupt damit bewirken mag, einem anderen Menschen derart in die Brust zu greifen. Ich denke darüber nach, was man alles falsch machen kann in so einem kleinen Leben, in so einer kleinen Liebe. Und dann, ganz verstohlen, wische ich mir eine Träne aus den Augenwinkeln. In the end it is love you will have to learn to survive. __John Vanderslice/Dear Sarah Shu
∞
Ein wirklich wunderschöner Text.
Ich gehe mir jetzt auch einmal eine Träne aus den Augenwinkeln wischen. *hach*
mephistobs
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Die Postkarte ist faszinierend. Ich frage mich, ob es Absicht ist, dass die Hand in die "herzlose Seite" geht oder einfach nur Nachlässigkeit (einem Land, in dem in einem Film mit einem einzigen emotionslosen Sprecher alle Schauspieler unabhängig von Geschlecht und Alter synchronisiert werden, traue ich fast alles zu). Auf der anderen Seite der Brust wäre jedenfalls die Interpretation in klareren Bahnen. Vielleicht wurde aber auch die rechte Seite genommen, um diese Klarheit zu vermeiden.
"Alles hat seine Zeit", schrieb ein Schriftsteller, den ich früher viel gelesen hatte, in mehreren seiner Romane. Der eigene Weg setzt sich aus richtigen und falschen Entscheidungen zusammen (sofern ein Mensch sich die Freiheit hat, selbst zu entscheiden), sowie aus guten und schlechten Erlebnissen. An die guten erinnern wir uns gerne, die Kapitel mit den schlechten werden irgendwann zugeklappt. Solange noch Kerzen brennen, ist die Zeit für das Schliessen wohl noch nicht gekommen. Alles hat seine Zeit. Ist der Autor zufällig der, der darüber schrieb, dass nichts jemals verloren ginge? Jedenfalls nichts, was nicht wiedergefunden werden könne?
Manches überdauert seine Zeit einfach auch, wie ein Saurier außerhalb seiner Umgebung, der zufällig per Mutation eine Art Anpassungsfähigkeit entwickeln konnte. Aber das ist natürlich alles rein hypothetisch. Ist es in Polen so, dass die Synchronisation derart abläuft? Oder war jetzt nur der Zeichner Pole? Verdammt, das muss ich nachsehen. Morgen, oder so.
mephistobs
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Ich glaube das hat Mankell auch geschrieben, ja.
Ein Bekannter von mir lebt mit einer Polin zusammen und hält sich daher auch regelmäßig in Polen auf. Er sagte mir, dass es durchaus nicht unüblich sei, einen ganzen Film mit einem einzigen Synchronsprecher zu synchronisieren. Ihm würden regelmäßig die Nackenhaare zu Berge stehen... Verständlich. Polen mochte ich ja sehr, wobei ich natürlich nur einen verschwindend kleinen Teil davon gesehen habe. Mir schwebt immer noch die Radtour durch Masuren vor Augen, die ich seit Jahren machen will. Vielleicht wird das was in diesem Sommer, mal sehen.
(Es war übrigens King.)
mephistobs
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King habe ich auch viel gelesen. Der Satz mit dem "verloren" könnte auch von Mankell stammen, der Spruch "Alles hat seine Zeit" kam jedenfalls in fast jedem Wallanderroman vor. Ich habe die früher gerne gelesen, vermutlich aufgrund der nordischen Art und dem rauhen Charakter. Nach dem achten hatte ich aber das Gefühl, alle Wallanderromane gelesen zu haben, die je geschrieben werden können.
King lese ich inzwischen aber auch nur noch selten. Was Polen angeht: mach es! Ich bin vermutlich Ende Mai einen Tag dort, sozusagen auf dem Weg von Braunschweig nach Berlin :-)
knaeckeboot
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dieses bild läßt mich nicht los. ich frage mich, ob die fremde hand geführt oder gestoppt wird. ob die fremde hand überhaupt fremd ist. und ob das bild für mich auch dann anziehend wäre, wenn die wunde bluten würde.
Ich muss es auch immer wieder ansehen. Mir scheint, als ob die Hand den Arm stützt, fast als ob sie unbeteiligt wäre am Geschehen. Und dann frage ich mich, wie stark dieser Finger da wohl in der Wunde bohrt. Und warum die Wunde nicht wie eine Wunde, sondern wie ein Loch aussieht.
Interessant. Ich sah die fremde Hand ja als Initiator der gesamten Bohrangelgenheit, quasi den Griff in die Brust.
Blut würde vielleicht ablenken von dem, was dort vor sich geht - was auch immer das ist. Und ja, es lässt mich auch nicht los.
knaeckeboot
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vielleicht ging die inittiative vom verwundeten selbst aus, der die fremde hand nahm, um zu sagen: fühlst du den schmerz... (... den du mir zugefügt hast)?
Auch mich hat dieses Bild nicht ruhen lassen, ein Finger in einer blutleeren, wie ein Mund wirkenden Wunde, geführt, gehalten, unterstützt von dem verletzten Menschen unter dem kritisch sanftem Blick seiner Brustwarzen.
Dann habe ich das Stichwort Carravaggiio bei go*gle eingegeben und mich auf eine tolle Reise begeben, habe den Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio und sein Bild „Der ungläubige Thomas“ kennengelernt , dann den polnischen Künstler Wieslaw Walkuski, der in Anlehnung an das berühmte Gemälde des alten italienischen Meisters das Poster (und die Postkarte) zum Canavaggio-Film von Derek Jarmann gemacht hat, in dem die Erfahrung von Einsamkeit, Gewalt und Schuld zentrale Motive sind. Ich habe Freedom on the Fence kennengelernt, ein spannendes Dokumentationsprojekt über die Geschichte und Bedeutung von polnischen Postern, passend zum Beginn der Fastenzeit und den ersten Osterhasen im Supermarktregal habe ich armes Heidenkind mir die Auferstehungsgeschichte zu Gemüte geführt, Spekulationen über den Tod am Kreuz und Lazarus Lanzenstich, Gerüchte über das Turiner Grabtuch, auch medizinische Weisheiten über Blutungen, und Gedanken über Unglauben, Glauben und Wissen, durch Ihre kleine Postkarte hatte ich einen ziemlich langen aber unterhaltsamen nächtlichen Trip, danke dafür. Ich habe hier extra nichts verlinkt, wer sich auch auf eine wunde(r)volle Reise begeben will, findet hier genug Stichworte und soll unbedingt seine eigenen schrägen Umwege gehen... @knaeckeboot
Fühlst du den schmerz... (... den du mir zugefügt hast)? Wow. Ja genau, das passt. @peddi Danke für den Tipp! Nicht schlecht.
Ich habe übrigens bei Freedom on the Fence abgebrochen - aber vielleicht sollte ich von da an die Spur noch einmal aufnehmen. Schön, wenn ich kurzweilige Nächte verschaffen kann ;) Ach, knaeckeboot. Wenn Sie wüssten. ach...
Ich denke darüber nach, was man alles falsch machen kann in so einem kleinen Leben, in so einer kleinen Liebe.
...und ich denke, ich bin dem Caravaggio gestern nur so weit hinterhergejagt, um bloß nicht an diesem Satz hängenzubleiben, jetzt muss ich doch auch noch wischen, und nicht nur eine, aber wenigstens nicht verstohlen, es scheint schon wieder eine kurz ...and thank you for the music Alles rausschwemmen, weich sein (siehe oben) - wurde mir von Menschen gesagt, die es wissen müssen.
Irgendwann geht´s dann wieder. Es kann schließlich nicht immer regnen. Da nicht für :) |